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Vom Need-To-Know zum Need-To-Share-Prinzip: Datenverfügbarkeit statt Informationssilos

Daten gelten längst als Herz der digitalen Transformation. Doch ihr wahrer Wert für Unternehmen kann erst dann genutzt werden, wenn sie nicht isoliert bleiben, sondern als strategisches Gut verstanden, geteilt und genutzt werden. In vielen Unternehmen verhindern Silostrukturen, zu restriktive Freigabeprozesse und Missverständnisse rund um Datenschutz und Regulatorik, dass Daten zum echten Wachstumsturbo werden. Der Übergang vom „Need-to-Know“ zum „Need-to-Share“-Prinzip setzt hier an und eröffnet auch neue Wege zur Skalierung von KI-Initiativen, datengetriebenen Produkten und nachhaltiger digitaler Exzellenz.
Top Consultant

Autor

Tim Naumann

Senior Manager

Zufriedene Kunden aus Mittelstand und Konzernen

Need-To-Share: Von restriktiver Kontrolle zur skalierbaren Kollaboration

Das klassische Need-to-Know-Prinzip war über viele Jahre Garant für Datenschutz und Compliance. Inzwischen zeigt sich: Innovation, Geschwindigkeit und Effizienz leiden, wenn nur wenige Experten Zugang zu den wichtigsten Informationen haben. Unternehmen, die wachsen und wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen umdenken. Das bedeutet nicht blinde Öffnung, sondern eine gezielte, risiko- und nutzenbasierte Erweiterung des Datenzugriffs. Ein skalierbarer Freigabeprozess, der Transparenz und Sicherheit verbindet, wird zum Schlüsselfaktor. So entsteht ein neues Paradigma, in dem Daten dynamisch und flexibel eingesetzt werden können, um Wertschöpfung, KI-Anwendungen und Innovationen zu fördern, ohne regulatorische Anforderungen aus den Augen zu verlieren.

Bedeutung von Datentransparenz – Erfolgsfaktor für Innovation und Unternehmensresilienz

Ohne Transparenz bleibt das Potenzial selbst hochwertigster Daten oft ungenutzt. Ein zentraler Datenkatalog, der Geschäftsobjekte semantisch beschreibt, Schutzbedarfsklassifizierungen sichtbar macht und Benutzerrechte nachvollziehbar abbildet, bringt Licht ins Dunkel. Dies ermöglicht nicht nur die automatisierte Freigabe von Daten und eine schnelle Reaktion auf neue Business-Anforderungen, sondern bildet die Grundlage für KI-Anwendungen, datenbasierte Governance und effiziente Kollaboration, auch bereichsübergreifend oder mit externen Partnern. Mitarbeitende profitieren von klaren Prozessen; Führungskräfte erhalten eine neue Grundlage zur Steuerung von Wertströmen sowie Kontrolle über Compliance und Datenschutz

Herausforderungen und Lösungsansätze des Need-to-
Know-Prinzips in der heutigen Datenpraxis

Das traditionelle Need-to-Know gerät zunehmend an seine Grenzen. Komplizierte, historisch gewachsene Rollen- und Rechtekonzepte führen zu langwierigen, fehleranfälligen Freigabeprozessen. Oft werden regulatorische Anforderungen zu konservativ ausgelegt, was in der Konsequenz zu unnötigen Einschränkungen für Datenkonsumenten und Teams führt. Neue Freigaben bedürfen aufwändiger Anträge, die Verantwortung bleibt auf den Schultern der Antragsteller. Im Extremfall werden durch die steigende Zahl von Freigabeanfragen, diese nicht mit der notwendigen Sorgfalt im Falle von schützenswerten Daten bearbeitet und Freigaben vorschnell erteilt – „Need-to-Know“ wird damit konterkariert und nur auf Papier ein wirksamer Mechanismus. Im Endeffekt sind in jedem Fall notwendige Informationen schlecht verfügbar, Use Cases bleiben stecken, Innovationskraft stockt – gerade bei zentralen Projekten wie unternehmensweiten KI-Initiativen oder datenbasierter Governance.

Die Einführung eines zentralen, semantisch angereicherten Datenkatalogs (Business Object Repository) bildet die Basis für eine moderne, datengetriebene Organisation. Alle relevanten Geschäftsobjekte werden samt Schutzbedarfsstufen und Need-to-Share-Fähigkeit klassifiziert und sind im Katalog eindeutig referenziert. Das Mapping auf physische Schemata schafft nicht nur Übersichtlichkeit, sondern erleichtert die Wiederverwendung von Schutzbedarfsklassifikationen und fördert die Automatisierung datenbezogener Prozesse. Damit wird ein Single Point of Truth geschaffen, der sowohl für automatisierte Freigaben als auch für die KI-gerechte Auswertbarkeit unternehmensinterner Datenbasis unerlässlich ist.

Für eine skalierbare Datenfreigabe sind strukturierte Verantwortlichkeiten und eindeutige Berechtigungsmodelle essenziell. Indem die Risiko- und Freigabeprozesse organisationsweit analysiert und konsolidiert werden, entstehen eindeutige Rollen, transparente Entscheidungswege sowie einheitliche Prüfmechanismen. Überhistorisch gewachsene Engstellen, Mythen zu persönlicher Haftung und überzogene Interpretationen regulatorischer Vorgaben werden dadurch aufgelöst und die reibungslose Zusammenarbeit zwischen IT, Fachbereichen und Konzernsicherheit gezielt gefördert.

Der datenobjektbasierte Ansatz ermöglicht, Schutzbedarfsklassifikationen direkt und wiederverwendbar am Datenobjekt zu hinterlegen. Ein datenorientierter, toolgestützter Freigabeprozess beschleunigt die Freigabe insbesondere von nicht-kritischen Daten durch Automatisierung, während bei sensiblen Daten umfassende Kontextinformationen für die fundierte Risiko-Nutzen-Abwägung bereitgestellt werden. So entsteht eine effiziente, nachvollziehbare und anwendungsübergreifend nutzbare Struktur, die gerade für dynamische KI- und Analytics-Szenarien essenziell ist.

Die erfolgreichen Projekte zeigen, dass neben Regulatorik und Technologie insbesondere die Akzeptanz und das Verständnis der Mitarbeitenden transformiert werden müssen. Durch klare Kommunikationslinien, transparente Richtlinien und unternehmensweite Schulungen werden Vorbehalte gegen neue Freigabekonzepte abgebaut. Hier ist es wichtig auf die zentrale Änderung in der Datenkultur zu fokussieren. Daten dürfen nicht mehr als schützenswerter „Schatz“ einer bestimmten Stelle gesehen werden, sondern als kollektives Asset der gesamten Organisation. Eine enge Abstimmung zwischen IT, Fachbereichen und Konzernsicherheit sorgt für einen nachhaltigen Wissenstransfer und verankert einen kooperativen Umgang mit dem Rohstoff Daten als Erfolgsfaktor.

Effektive Datenfreigabe bedeutet mehr als reine Risikovermeidung: Erst wenn der Freigabeprozess explizit Chancenbewertungen integriert und Geschäftsnutzen systematisch mit potenziellen Risiken abwägt, entsteht die Basis für eine wirklich wertschöpfende Entscheidungskultur. Die unmittelbare Gegenüberstellung von Risiken und Mehrwerten im Freigabedokument ermöglicht schnelle, nachvollziehbare Entscheidungen und belegt, dass unternehmensweite Need-to-Share-Fähigkeit und Compliance keineswegs im Widerspruch stehen, sondern gemeinsam den Weg für skalierbare Dateninnovationen bereiten.

Need-to-Share als datenorientiertes, skalierbares Konzept

Das Need-to-Share-Prinzip setzt auf ein datenobjektbasiertes Modell: Schutzbedarfsklassifizierungen werden direkt und wiederverwendbar an Business Objekten gespeichert und stehen für verschiedenste Anwendungen abrufbereit. Ein semantisch angereicherter Datenkatalog macht nicht nur automatisierte Zugriffsentscheide möglich, sondern liefert auch eine unternehmensweite Daten-Ontologie. Diese Transparenz erleichtert die Bewertung von Chancen und Risiken jedes Freigabevorhabens und erlaubt die sofortige, kontextsensitive Freigabe nicht-kritischer Daten. Für sensible Daten unterstützt der Katalog einen schnellen, nachvollziehbaren Entscheidungsprozess, der Sicherheit und Mehrwert abwägt.

Skalierbarkeit & Agilität durch Need-to-Share

Unternehmen, die Need-to-Share konsequent umsetzen, erzielen eine drastische Verkürzung von Freigabezyklen und einen Effizienzsprung bei der Entwicklung digitaler Produkte. Pilotprojekte belegen: Rechte werden von Einzelpersonen auf Personengruppen ausgeweitet, der Freigabeprozess wird vielschichtiger, aber gleichzeitig schneller und transparenter. Zentrale Freigabeprozesse, etwa über ein Business Object Repository, reduzieren Doppelarbeit, liefern schnell verfügbare, konforme Daten und ermöglichen eine flexible Erweiterung auf weitere Use Cases. So kann die Organisation KI-Trainingsdaten rasch bereitstellen, neue Insights generieren und datenbasierte Innovationen innerhalb kürzester Zeit launchen.

Need-To-Know zu Need-To-Share Praxisbeispiel „Chattable Entwicklungsdaten“:
Von der Idee zur Blaupause

Das erfolgreiche Pilotprojekt eines führenden deutschen Automobilherstellers zeigt exemplarisch, wie der Need-to-Share-Ansatz funktioniert. Zunächst wurde eine organisationsweite Analyse der Risiko- und Freigabeprozesse durchgeführt, um Transparenz über kritische Daten und regulatorische Vorgaben zu schaffen. Anschließend entstand ein zentraler Freigabeprozess, gestützt von einer semantisch angereicherten Katalog- und Toolstruktur, die alle Geschäftsobjekte mit Schutzklassen abbildet. Im Proof of Concept konnte bereits für einen ersten Nutzerkreis die regulatorisch sichere produktive Nutzung der Entwicklungsdaten im Large Language Modell erwirkt und freigegeben werden. Die daraus entstandene Blaupause kann direkt auf einen größeren Nutzerkreis und weitere Bereiche übertragen werden.

Governance & Regulatorik im Need-To-Share Ansatz: Effizienz durch klar definierte Strukturen

Zentrale, datenorientierte Governance-Modelle sorgen dafür, dass Regulatorik, interne Policies und technische Freigabeprozesse optimal ineinandergreifen. Fragmentierte, widersprüchliche Zuständigkeiten und die Angst vor persönlicher Haftung werden durch transparente Rollenkonzepte und eindeutige Entscheidungswege abgelöst. Automatisierte Workflows und Audit-Trails stellen sicher, dass Compliance-Anforderungen auch im laufenden Betrieb messbar und kontrollierbar bleiben. Unternehmen profitieren von besserer Kontrolle, klaren Verantwortlichkeiten und gleichzeitig mehr Entscheidungsspielraum bei der Datenverwendung.

Change-Kommunikation und Mindset-Transformation: Der Erfolgsfaktor für den Rollout von Need-To-Share

Der eigentliche Hebel liegt im Menschen und dem Wandel der Organisation: Eine offene, transparente Change-Kommunikation ist Kernbestandteil erfolgreicher Rollouts des Need-to-Share-Prinzips. Erst wenn Mitarbeitende den tatsächlichen Mehrwert sowie die Sicherheit neuartiger Freigabemodelle verinnerlichen, beginnt nachhaltige Transformation. Entscheider müssen Kultur, Weiterbildung, Anreize und Change-Management-Elemente zentral mitplanen: Workshops, praxisnahe Beispiele, verständliche KPIs (wie Leak-Reduktion, Nutzerzufriedenheit, Freigabegeschwindigkeit) stärken das Vertrauen in neue Prozesse und überwinden Silodenkweisen.

Fazit

Das Need-to-Share-Prinzip ist ein Muss für jede moderne Datenstrategie. Es schafft Raum für Vertrauen, beschleunigte Wertschöpfung, effiziente Data Governance und eine motivierende Unternehmenskultur. Transparenz, Automatisierung und verantwortungsvolles Teilen ermöglichen es Unternehmen, das volle Potenzial ihrer Daten zu heben und sich als Vorreiter der digitalen Zukunft zu positionieren. Wer aktiv investiert, profitiert von schnelleren Innovationszyklen und einem neuen Level der Datenexzellenz.

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Ansprechpartner Tim Naumann
Tim Naumann

Senior Manager und Experte für AI Agents

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