- Veröffentlichung:
27.08.2026 - Lesezeit: 14 Minuten
Digitaler Produktpass für Eisen & Stahl: Was Unternehmen jetzt über Pflichten, Fristen und Umsetzung wissen müssen
Eisen und Stahl gehören zu den wichtigsten Grundstoffen der europäischen Industrie und zu den Materialien mit besonders hoher Klima- und Ressourcenrelevanz. Genau deshalb zählen sie zu den priorisierten Produktgruppen im ESPR-Arbeitsplan der EU-Kommission. Für Eisen und Stahl wird derzeit ein Delegierter Rechtsakt vorbereitet. Ein DPP könnte nach aktuellem ESPR-Arbeitsplan gegen Ende dieses Jahrzehnts zu einer relevanten Anforderung werden.
Für Stahlhersteller, Weiterverarbeiter, Importeure und Systemanbieter bedeutet das: Wer heute nicht mit der Vorbereitung beginnt, riskiert morgen den Marktzugang. Wir geben Unternehmen einen Überblick über alle relevanten Aspekte des Digitalen Produktpasses für Eisen und Stahl: Bedeutung, Betroffenheit, gesetzliche Grundlagen, Pflichten, Fristen, Datenanforderungen, Vorteile und den konkreten Weg zur Umsetzung.

Executive Summary – Digitaler Produktpass für Eisen & Stahl auf einen Blick
- Priorisierte Produktgruppe: Eisen und Stahl gehören laut ESPR-Arbeitsplan 2025–2030 zu den ersten Produktkategorien, für die ein Delegierter Rechtsakt erarbeitet wird. Der DPP ist für diese Branche keine ferne Zukunft, sondern nächster regulatorischer Meilenstein.
- Breite Betroffenheit: Nicht nur Stahlhersteller, sondern auch Walzwerke, Weiterverarbeiter, Importeure und Bau- und Systemanbieter mit Stahlkomponenten fallen unter die Pflicht. Wer Produkte erstmals im EU-Markt in Verkehr bringt, trägt die volle Verantwortung unabhängig vom Firmensitz.
- Zeitfenster wird eng: Der Delegierte Rechtsakt wird 2026 erwartet, die DPP-Pflicht greift voraussichtlich 2027/2028. Die reine Implementierung dauert 6 bis 12 Monate – der kritische Pfad ist fast immer die Datenbeschaffung aus der Lieferkette, nicht die Technologie.
- Marktzugang steht auf dem Spiel: Ohne gültigen DPP dürfen betroffene Produkte ab dem Stichtag nicht mehr in der EU in Verkehr gebracht werden. Händler und Einkäufer werden Compliance-Nachweise voraussichtlich vor den Behörden einfordern.
- Compliance ist Chance: Unternehmen, die DPP-Daten frühzeitig aufbauen, können „Low-carbon steel" nachweisbar vermarkten, Ausschreibungen besser bedienen, Berichtspflichten effizienter erfüllen und neue datengetriebene Services in der Kreislaufwirtschaft entwickeln.
Bedeutung und Ziele des Digitalen Produktpasses für Eisen & Stahl
Die Stahlindustrie ist einer der größten industriellen CO₂-Emittenten in Europa. Gleichzeitig ist Stahl nahezu unendlich recycelbar – ein idealer Werkstoff für die Kreislaufwirtschaft. Der DPP adressiert genau dieses Spannungsfeld: Er macht CO₂-Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette sichtbar, dokumentiert Rezyklatanteile und tatsächliche Kreislaufführung, schafft Nachweisfähigkeit für B2B-Beschaffung, öffentliche Vergabe und ESG-Reporting und liefert Informationen zu Materialgesundheit, Legierungen und Rückbaubarkeit für spätere Nutzungsphasen in Bau, Maschinenbau und Infrastruktur.
Die strategischen Ziele des DPP
- Transparenz: Lückenlose Dokumentation der Produkteigenschaften, Herstellungsrouten und Umweltwirkungen – maschinenlesbar und standardisiert.
- Kreislaufwirtschaft: Förderung von Sekundärrohstoffeinsatz, Rückbaubarkeit und materieller Wiederverwendung durch strukturierte Produktdaten.
- Wettbewerbsfähigkeit: Unternehmen, die DPP-Daten frühzeitig aufbauen, positionieren sich für Green-Premium-Vermarktung, differenzierte Produktlinien und verbesserte Ausschreibungsfähigkeit.
- Regulatorische Konformität: Erfüllung der ESPR-Anforderungen als Voraussetzung für den fortgesetzten Marktzugang im EU-Binnenmarkt.
Wer ist vom Digitalen Produktpass für Eisen & Stahl betroffen?
Die Betroffenheit geht weit über klassische Stahlhersteller hinaus. Rechtsrahmen ist die ESPR (Verordnung (EU) 2024/1781), die die Grundlage schafft, dass für Produktgruppen, darunter Metalle, Ökodesign-Anforderungen und ein Digitaler Produktpass verpflichtend werden.
Direkt betroffene Unternehmen
- Stahlhersteller (Primär- und Sekundärstahl, Hochofen- und Elektrolichtbogenofen-Routen)
- Walzwerke und Produzenten von Halbzeugen (Bleche, Profile, Coils, Draht)
- Weiterverarbeiter und Komponentenhersteller (Bauteile, Strukturelemente, Verbindungstechnik)
- Importeure von Eisen- und Stahlprodukten (Wer Produkte erstmals im EU-Markt in Verkehr bringt, trägt die volle DPP-Verantwortung)
- Bau- und Systemanbieter mit Stahlkomponenten (Stahlbau, Fassadensysteme, Infrastrukturanbieter)
Indirekt betroffene Akteure
- Lieferanten und Zulieferer (Tier 1–3), die Daten zu Materialzusammensetzung, Herkunft und CO₂-Intensität bereitstellen müssen
- Händler und Distributoren, die Produkte ohne gültigen DPP nicht mehr listen können
- Auftraggeber im öffentlichen Sektor, die DPP-Vollständigkeit als Vergabekriterium heranziehen werden
- Recycling- und Entsorgungsunternehmen, die auf End-of-Life-Daten im DPP angewiesen sind
Die entscheidende Frage: Wer bringt das Produkt in Verkehr?
Der regulatorische Fachbegriff „Inverkehrbringen“ meint die erstmalige Bereitstellung eines Produkts auf dem EU-Markt – gegen Entgelt oder unentgeltlich. Verantwortlich ist der Hersteller, Importeur oder bevollmächtigte Vertreter. Das bedeutet: Auch nicht-europäische Stahlproduzenten, die in die EU exportieren, sind vollumfänglich betroffen.
Gesetzliche Rahmenbedingungen und regulatorische Anforderungen
Die ESPR als zentraler Rahmen
Die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR, Verordnung (EU) 2024/1781) ist das horizontale Rahmenwerk, das die Grundlage für produktgruppenspezifische DPP-Anforderungen schafft. Die ESPR selbst definiert keine konkreten Datenanforderungen – diese werden über sogenannte Delegierte Rechtsakte für jede Produktkategorie festgelegt.
Der Delegierte Rechtsakt für Eisen und Stahl
Eisen und Stahl gehören laut ESPR-Arbeitsplan 2025–2030 zu den priorisierten Produktgruppen. Der Delegierte Rechtsakt für diese Kategorie wird voraussichtlich 2026 verabschiedet. Er wird definieren, welche konkreten Daten der DPP enthalten muss, welche Performance-Anforderungen gelten und welche Übergangsfristen einzuhalten sind. Nach Verabschiedung beginnt typischerweise eine Übergangsfrist von ca. 18 Monaten, bis die DPP-Pflicht greift.
Ergänzende regulatorische Anforderungen
Der DPP existiert nicht im luftleeren Raum. Er interagiert mit weiteren Regulierungen, wie bespieslweise:
- CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism): CO₂-Transparenz auf Produktebene wird zur Pflicht für Importeure
- EU-Taxonomie und CSRD: Nachhaltigkeitsberichterstattung verlangt zunehmend produktbezogene Umweltdaten
- Bauprodukteverordnung: Für Stahlprodukte im Bausektor können zusätzliche DPP-Anforderungen gelten
- CEN/CENELEC-Normen: Sechs der acht JTC-24-DPP-Normen wurden im Mai 2026 veröffentlicht und definieren die technischen Standards für Datenträger, APIs, Interoperabilität und Sicherheit
Welche DPP-Pflichten gelten für Unternehmen im Bereich Eisen & Stahl?
Kernpflichten im Überblick
Unternehmen im Bereich Eisen und Stahl müssen sicherstellen, dass:
- Ein Digitaler Produktpass erstellt und zugänglich gemacht wird – maschinenlesbar über standardisierte Datenträger (z. B. QR-Code)
- Produkt- und Chargendaten eindeutig identifiziert werden – durch Unique Identifiers wie GTIN oder Serialisierung
- Umwelt- und Materialdaten digital dokumentiert werden – einschließlich CO₂-Intensität, Recyclinganteil und Produktionsroute
- Die Daten aktuell, korrekt und maschinenlesbar bereitgestellt werden – über den gesamten Produktlebenszyklus
- Eine Pflege- und Aktualisierungspflicht eingehalten wird – Änderungen an Materialzusammensetzung, Zertifizierungen oder Umweltdaten müssen nachgeführt werden
Was „Inverkehrbringen" konkret bedeutet
Die DPP-Pflicht greift für Produkte, die ab dem jeweiligen Stichtag neu in Verkehr gebracht werden. Bestandsware, die bereits vor dem Stichtag auf dem Markt war, ist ausgenommen. Sobald ein Hersteller oder Importeur ein Produkt nach dem Stichtag erstmals im EU-Markt bereitstellt, muss ein gültiger DPP vorliegen.
Konsequenzen bei Nichteinhaltung
Ohne gültigen DPP dürfen betroffene Produkte ab dem Stichtag nicht mehr in der EU in Verkehr gebracht werden. Das ist primär ein Marktzugangsrisiko, ergänzt um mögliche Bußgelder nach nationalem Umsetzungsrecht. Händler und Plattformen werden die Anforderung voraussichtlich vor den Behörden durchsetzen über Listing-Einschränkungen und Compliance-Nachweise. Einkäufer im B2B-Bereich werden DPP-Vollständigkeit zunehmend als Vergabekriterium heranziehen.
Ihr Experten für den Digitalen Produktpass
Ab wann gelten die Richtlinien für den Digitalen Produktpass Eisen & Stahl?
Die Fristen für den DPP folgen einem gestaffelten Mechanismus. Für Eisen und Stahl ergibt sich ein klares, wenn auch noch nicht final terminiertes Zeitfenster.
Der aktuelle Zeitplan
Meilenstein | Zeitraum | Status |
ESPR-Arbeitsplan veröffentlicht | April 2025 | Abgeschlossen |
CEN/CENELEC-DPP-Normen veröffentlicht (6 von 8) | Mai 2026 | Abgeschlossen |
EU-DPP-Register produktiv (Organisationsregistrierung) | 20. Juli 2026 | In Betrieb |
Delegierter Rechtsakt Eisen & Stahl | 2026 (erwartet) | In Vorbereitung |
DPP-Pflicht Eisen & Stahl | Voraussichtlich 2027/2028 | ~18 Monate nach Delegiertem Rechtsakt |
Warum „voraussichtlich" – und was das für die Planung bedeutet
Das exakte Datum der DPP-Pflicht steht erst mit Verabschiedung des Delegierten Rechtsakts fest. Erfahrungsgemäß folgt eine Übergangsfrist von ca. 18 Monaten. Das klingt komfortabel, ist es aber nicht: Die reine Implementierung einer DPP-Infrastruktur dauert in der Praxis 6 bis 12 Monate. Der kritische Pfad ist fast immer die Datenbeschaffung aus der Lieferkette.
Rückwärts rechnen
Wer 2027/2028 compliant sein muss, sollte spätestens jetzt mit der Readiness-Analyse starten. Wer wartet, bis der Delegierte Rechtsakt veröffentlicht ist, hat im besten Fall 18 Monate für alles: Analyse, Datenbeschaffung, Systemintegration, Lieferantenaktivierung und Rollout. In der Praxis ist das ein sehr enges Zeitfenster.
Welche Daten muss der Digitale Produktpass für Eisen & Stahl enthalten?
Die finalen Datenanforderungen werden über den Delegierten Rechtsakt definiert. Auf Basis der ESPR-Struktur, der CEN/CENELEC-Normenentwürfe und der Branchenvorarbeiten lässt sich bereits heute ein klares Bild zeichnen.
Branchenweit diskutierte Datenanforderungen
- Produktname, Artikelnummer und Norm/Güteklasse
- Hersteller, Werk und Produktionsland
- Charge / Schmelznummer / Coil-ID (eindeutige Identifikation)
- Wesentliche chemische Zusammensetzung und Legierungsinformationen
- Technische Kennwerte (Festigkeit, Dehnung, Oberflächenqualität)
- CO₂-Intensität auf Produktebene (z. B. kg CO₂e pro Tonne Stahl)
- Recyclinganteil in Prozent
- Produktionsroute (z. B. Hochofen, Elektrolichtbogenofen)
- Maschinenlesbarer Zugang (QR-Code, RFID oder GS1 Digital Link)
Empfohlene Zusatzdaten (strategischer Mehrwert)
- EPD- oder LCA-Dokumente (Environmental Product Declaration / Life Cycle Assessment)
- Detaillierte Schrottherkunft und Materialstammbaum
- Energiequellen im Produktionsprozess (Strommix, Anteil erneuerbarer Energien)
- Zertifizierungen (ISO 14001, ResponsibleSteel, Science Based Targets etc.)
- BIM-Integration für Bauanwendungen
- Projektspezifische Datenpakete für Ausschreibungen
- End-of-Life-Informationen: Rückbaubarkeit, Verwertungswege, Recyclingfähigkeit
Die Daten-Checkliste für Eisen & Stahl
Datenpunkt | Pflicht (erwartet) | Mehrwert |
Produktname, Güteklasse, Norm | ✓ | |
Hersteller, Werk, Produktionsland | ✓ | |
Charge / Schmelznummer / Coil-ID | ✓ | |
Legierungszusammensetzung | ✓ | |
Recyclinganteil (%) | ✓ | |
CO₂-Intensität (kg CO₂e/t) | ✓ | |
Produktionsroute | ✓ | |
DPP-ID / QR-Code / URL | ✓ | |
EPD / LCA-Referenz | ✓ | |
Zertifizierungen | ✓ | |
Schrottherkunft (Detail) | ✓ | |
Energiequellen / Strommix | ✓ | |
BIM-Integration | ✓ | |
End-of-Life-Informationen | ✓ |
Auswirkungen auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft
Der DPP ist ein zentrales Instrument der europäischen Kreislaufwirtschaftsstrategie und Eisen und Stahl sind einer der Sektoren, in denen er die größte Hebelwirkung entfalten kann.
CO₂-Transparenz als Gamechanger
Kreislaufwirtschaft durch Datentransparenz
Integration in ESG- und Nachhaltigkeitsberichterstattung
Unser Ansatz: DPP-Readiness für Eisen & Stahl mit Ventum Consulting
Die Umsetzung des Digitalen Produktpasses ist keine reine IT-Aufgabe – sie erfordert das Zusammenspiel von Regulatorik-Verständnis, Datenarchitektur, Prozessdesign und Lieferketten-Management. Unser DPP Readiness Assessment liefert genau die Klarheit, die Unternehmen für eine strukturierte Vorbereitung brauchen.
Schritt 1 – DPP-Analyse & Scoping
Wir identifizieren Ihre DPP-relevanten Produktgruppen und ordnen sie den regulatorischen Anforderungen zu. Welche Ihrer Eisen- und Stahlprodukte fallen unter die ESPR? Welche Fristen gelten? Welche Rolle nehmen Sie ein – Hersteller, Importeur, Weiterverarbeiter? Das Ergebnis ist eine klare Betroffenheitsanalyse mit produktgruppenspezifischen Stichtagen.
Schritt 2 – Daten- & Systemprüfung
Wir prüfen Ihre bestehende Datenlandschaft auf DPP-Tauglichkeit: Welche Pflichtdaten liegen heute wo – in ERP, PLM, MES, Excel? Welche fehlen? Wo sind Lücken in der Lieferkette? Das Ergebnis ist ein Data Gap Report mit priorisierten Handlungsfeldern, sortiert nach Beschaffungsaufwand und regulatorischer Relevanz.
Schritt 3 – Compliance-Analyse & Risikobewertung
Wir gleichen Ihren Ist-Zustand gegen die relevanten regulatorischen Anforderungen ab – ESPR, Delegierte Rechtsakte, CEN/CENELEC-Normen, CBAM, Bauprodukteverordnung. Das Ergebnis ist ein Compliance-Kalender, eine Gap-Liste und eine Risikobewertung über vier Dimensionen: Datenverfügbarkeit, Systemfähigkeit, Lieferanten-Bereitschaft und organisatorische Verankerung.
Schritt 4 – Lieferketten-Bewertung & Supplier Engagement
Wir bewerten die Readiness Ihrer Lieferanten: Detaillierte Analyse kritischer Tier-1-Lieferanten, Risikoeinschätzung für Tier 2–3, Prüfung der Datenqualität und Entwicklung eines konkreten Engagement-Plans zur Lieferantenaktivierung.
Schritt 5 – DPP-Datenmodell & Architektur
Wir definieren ein strukturiertes Datenmodell für Ihren DPP, legen Schnittstellen zu bestehenden Systemen fest (ERP, PLM, PIM, LCA-Tools) und prüfen Interoperabilität gegen aktuelle Normentwürfe.
Schritt 6 – Business Case, Roadmap & Governance
Wir erstellen einen ROI-basierten Business Case inklusive Kostenmodell, entwickeln eine skalierbare Roadmap mit klaren Phasen (Gap Closure → Pilot → Rollout → Skalierung) und empfehlen eine DPP-Governance-Struktur mit Rollen, Prozessen und Entscheidungswegen.
Schritt 7 – Pilot & Rollout
Wir starten mit einer Produktgruppe oder einem Werk, validieren den End-to-End-Prozess mit realen Daten und skalieren anschließend auf weitere Produktgruppen, Standorte und Märkte.
Zukunftsperspektiven und Innovationen im Digitalen Produktpass
Der DPP ist kein statisches Compliance-Dokument. Er entwickelt sich zu einer strategischen Dateninfrastruktur, die weit über regulatorische Pflichten hinausgeht.
Der DPP als Innovationsplattform
Unternehmen, die den DPP nicht nur als Pflicht, sondern als Infrastruktur begreifen, erschließen neue Wertschöpfungspotenziale: datengetriebene Services für Kunden und Partner, digitale Materialpässe für den Bausektor, automatisierte Nachweisführung für Ausschreibungen und die Grundlage für KI-gestützte Prozessoptimierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Agentische KI und maschinenlesbare Produktdaten
Neue KI-gestützte Commerce-Ansätze und agentenbasierte Systeme entwickeln sich in Richtung strukturierter, maschinenlesbarer Produktdaten. Strukturierte DPP-Daten könnten hier mittelfristig eine relevante Rolle spielen, weil sie eindeutige Produktidentität, definierte Datenschnittstellen und verlässliche Inverkehrbringer-Informationen mitbringen.
Harmonisierung über Produktgesetze hinweg
Die EU diskutiert mittelfristig eine Harmonisierung der DPP-Anforderungen über alle Produktgesetze hinweg – ESPR, Batterieverordnung, Bauprodukteverordnung, PPWR. Unternehmen, die heute eine flexible, wiederverwendbare DPP-Infrastruktur aufbauen, investieren in ein Fundament, das auch künftige regulatorische Anforderungen trägt.
Vom Produktpass zum Materialpass
Besonders im Bausektor zeichnet sich ein Trend ab: Der DPP einzelner Stahlprodukte wird zum Materialpass ganzer Gebäude. BIM-Integration, digitale Gebäudezwillinge und End-of-Life-Szenarien verknüpfen Produktdaten mit Planungs- und Rückbauinformationen – ein enormes Potenzial für Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz im Bausektor.
Fazit: Chancen und Potenziale für die Eisen- und Stahlindustrie
Der Digitale Produktpass ist für die Eisen- und Stahlindustrie kein bürokratisches Anhängsel – er ist ein strategischer Wendepunkt. Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Die Frist rückt näher: Eisen und Stahl gehören zu den priorisierten Produktgruppen. Der Delegierte Rechtsakt wird 2026 erwartet, die DPP-Pflicht voraussichtlich 2027/2028.
- Der kritische Pfad ist die Datenbeschaffung: Nicht die Technologie, sondern die Verfügbarkeit und Qualität der Daten – insbesondere aus der Lieferkette – entscheidet über den Umsetzungserfolg.
- Compliance ist kein Selbstzweck: Der DPP eröffnet konkrete wirtschaftliche Vorteile – von Green-Premium-Vermarktung über vereinfachtes Reporting bis zu neuen Geschäftsmodellen.
- Zu früh vorbereiten kostet nichts – zu spät kostet Marktzugang: Unternehmen, die jetzt mit der Readiness-Analyse beginnen, haben Puffer. Unternehmen, die auf den Delegierten Rechtsakt warten, haben ein enges Zeitfenster.
- Investitionsschutz durch flexible Infrastruktur: Wer den DPP von Anfang an als wiederverwendbare Dateninfrastruktur aufbaut, ist auch für kommende regulatorische Anforderungen gerüstet.
Der DPP wird die Art verändern, wie Stahl produziert, gehandelt und recycelt wird. Unternehmen, die diese Transformation aktiv gestalten, sichern nicht nur ihren Marktzugang – sie schaffen die Grundlage für nachhaltiges Wachstum in einer zunehmend transparenten und datengetriebenen Industrie.
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FAQ – Häufige Fragen zum Digitalen Produktpass für Eisen & Stahl
Nein, noch nicht. Eisen und Stahl sind als priorisierte Produktgruppe im ESPR-Arbeitsplan vorgesehen. Der Delegierte Rechtsakt wird 2026 erwartet. Die DPP-Pflicht greift voraussichtlich 2027/2028 – ca. 18 Monate nach Verabschiedung des Delegierten Rechtsakts.
Nein. Der DPP kann verschiedene Stahlproduktgruppen betreffen – abhängig von der finalen Ausgestaltung des Delegierten Rechtsakts. Halbzeuge, Komponenten, Systemprodukte und Importware sind gleichermaßen im Scope.
Ja. Wer Stahlprodukte erstmals im EU-Markt in Verkehr bringt, trägt die volle Verantwortung für den DPP – unabhängig vom Sitz des Herstellers. Das gilt für EU-Importeure ebenso wie für nicht-europäische Hersteller, die direkt in die EU liefern.
Nein. Die Pflicht greift für Produkte, die ab dem jeweiligen Stichtag neu in Verkehr gebracht werden. Bereits auf dem Markt befindliche Ware ist ausgenommen.
In der Praxis 6 bis 12 Monate für eine produktive DPP-Infrastruktur. Der kritische Pfad ist fast immer die Datenbeschaffung aus der Lieferkette – nicht die Technologie. Eine frühzeitige Readiness-Analyse verschafft den nötigen Vorlauf.
Ohne gültigen DPP dürfen betroffene Produkte nicht mehr in der EU in Verkehr gebracht werden. Das Hauptrisiko ist der Marktzugangsverlust – ergänzt um mögliche Bußgelder und Listing-Einschränkungen bei Händlern und Plattformen.
Typischerweise ERP, PLM, PIM, MES und LCA-Tools. Der DPP erfordert eine Integration über mehrere Systeme hinweg. Unser Assessment prüft die Interoperabilität Ihrer bestehenden Landschaft gegen die aktuellen CEN/CENELEC-Normenentwürfe.
Ja. Unternehmen, die DPP-Daten frühzeitig aufbauen, können „Low-carbon steel“ nachweisbar vermarkten, Ausschreibungen besser bedienen, Berichtspflichten effizienter erfüllen und neue datengetriebene Services entwickeln.
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