Google kann Usability? - ein kleiner Erfahrungsbericht

Welcher Beschäftigte in der IT-Branche kennt es nicht – der Besuch bei den Verwandten ist unvermeidlich auch mit einem gewissen Umfang an IT-Supportdienstleistungen verbunden. Microsoft Office funktioniert nicht, Windows will aktualisiert werden oder der Router benötigt die aktuelle Firmware.

Im Folgenden soll dieser Bedarf anhand eines Beispiels einmal verdeutlicht werden.
Stellen wir uns dazu also folgende, mit Sicherheit für viele auch bekannte Situation, vor:
Unser Vater hat sich endlich sein erstes eigenes Smartphone zugelegt. Nicht weil er sich der Digitalisierung zuvor verweigert hat, denn mit Computern kennt er sich eigentlich ganz gut aus, sondern weil das alte Tastenhandy eben vertraut war und gut funktioniert hat. Aber das soll sich nun ändern – und uns damit den Blick auf einen Erstanwender gewähren, der versucht über den Google Playstore Apps herunterzuladen und damit sein Android-Smartphone einzurichten.

Dabei würden unserem Vater wohl folgende Fragen durch den Kopf gehen:

  • Welche Apps sind für mein Smartphone hilfreich?
  • Wo finde ich die Apps die mir von meinen Freunden und Verwandten empfohlen wurden?
  • Welche Apps könnten mich, abgestimmt auf meine Vorlieben, noch interessieren?

Schauen wir uns nun dazu den Startbildschirm des Google Playstores an:

Leider ist an diesem Beispiel zu erkennen, dass der Google Playstore nicht aus der Sicht eines Kunden, sondern aus Sicht eines Verkäufers konzipiert wurde. Woran ist das zu erkennen? Zunächst sehen wir, dass die Fragen unseres Vaters auf den ersten Blick wohl erst einmal unbeantwortet bleiben. Nun können wir uns außerdem überlegen welche Fragen wohl einem Verkäufer bei der Konzeption des Google Playstores durch den Kopf gegangen sind:

  • Wie schaffe ich es, dass der Kunde möglichst viele und vor allem kostenpflichte Apps installiert?
  • Wo platziere ich die Werbung meiner Kunden damit sie gesehen wird?
  • Wie schaffe ich es, dass der Kunde die installierten Apps auch behält und nicht deinstalliert?

Wie der Verkäufer diese Fragen beantwortet hat sehen wir in der Umsetzung des Playstores:

Grob 95% der Oberfläche ist für Werbung reserviert, die unseren Vater höchstwahrscheinlich nicht besonders interessieren würde. Im Gegenteil – sogar von seinem eigentlichen Ziel ablenkt. Die Kernfunktionalitäten aus Anwendersicht: Suche neuer Apps, Verwaltung der bereits installierten Apps, Verwaltung von App-Abos, diese sind nicht explizit im Startbildschirm klar sichtbar. Die Suchleiste ist zwar entsprechend des üblichen App-Standards platziert, aber – zumindest in der deutschen Sprachkonfiguration – durch die abgeschnittene Beschriftung nicht wirklich erkenntlich. Die Verwaltung der eigenen Apps und alles Weitere wurde im „Burger“-Menü versteckt. Für erfahrene Anwender von Handyapplikationen ist dies alles kein Problem – für einen Erstanwender aber ohne Hilfe nur schwer zu bedienen. Alles im Allem ist die Nutzung des Google Playstores für unseren Vater als Anwender nicht besonders komfortabel und bietet keine Antwort auf seine Fragen.

Dieses Phänomen der „Verkäufer-Zentrierung“ findet sich aber nicht nur im Google Play Store, sondern auch in vielen anderen Applikationen, egal ob webbasiert oder Fatclient, ob Consumer oder Geschäftsapplikation: die Applikation wurde nicht aus Sicht des Anwenders entworfen. Dabei ist die „Kundenzentrierung“ an sich kein neues Thema – die ISO (9241) zur Mensch-Computer-Interaktion gibt es seit 2006. Trotzdem ist das Thema aktuell wie nie und UX geistert durch viele Kanäle.

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