Evolution statt Revolution - ITIL 4 im Kern begreifen

ITIL gibt sich eine neue Struktur basierend auf Wertschöpfungsketten und fortschreitender Digitalisierung. Gleichzeitig wurden etablierte agile Methoden wie DevOps oder Lean integriert.
Unsere 3-teilige Serie zeigt, wie das Zusammenspiel bewährter mit neuen Methoden innerhalb der Unternehmens-IT funktionieren soll.

Teil 1: Warum braucht es ITIL 4 überhaupt

Die Unternehmenswelt entwickelt sich weiter und eine effiziente „High Velocity IT“ ist ein Schlüsselfaktor für Firmen geworden, um im täglichen Wettbewerb bestehen zu können.

Am 18. Februar 2019 hat AXELOS die ITSM Best Practice Sammlung ITIL 4 veröffentlicht, der Nachfolger von ITIL v3 aus 2007. 2007 war das Jahr, in dem Apple sein erstes iPhone vorgestellt hat, 2008 ging Spotify an den Markt und 2009 startete WhatsApp durch. Cloud Computing mit der Nutzung von AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud ist seit einer ganzen Reihe an Jahren Normalität innerhalb von Firmen. Alles Meilensteine für einen neuen Umgang der Menschen und der Geschäftswelt mit einer IT, wie sie aus dem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken ist. Dieses kleine Schlaglicht soll verdeutlicht, wie enorm der Abstand in punkto angesagter Technologien und Methoden von heute zur letzten Version von ITIL® aus dem Jahr 2007 ist. Selbst das „Facelift“ von 2011 konnte die rasante Entwicklung an die IT-Anforderungen und das zugehörige Service Management in den letzten Jahren nicht vorwegnehmen.

Seit seiner Entstehung in den 80-ziger Jahren des letzten Jahrtausends hat ITIL® den Unternehmen bei der Gestaltung und Ausrichtung ihrer Prozesse, Rollen und Funktionen ein stabiles Gerüst und eine gemeinsame Sprache geboten. Geschäftsbereiche wie die Produktion oder der Vertrieb konnten sich auf ein konsistentes IT-Service Management verlassen und waren mit den Verantwortlichkeiten in den jeweiligen IT-Fachthemen vertraut.

Mit den Jahren ist jedoch nicht nur die Komplexität neuer Technologien fortlaufend gestiegen - Cloud Computing in all seinen Ausprägungen, Blockchain, Business Intelligence mit Big Data, um nur einige Beispiel zu erwähnen - sondern auch der Anspruch der Kunden hinsichtlich Flexibilität, Geschwindigkeit und Kosten. Kürzere Release-Zyklen mit Hunderten bis Tausenden Code-Deployments pro Tag sind in einem modernen, durchorganisierten Unternehmen keine Seltenheit mehr. Das Karussell sich ändernder Rahmenbedingungen (Stichwort DSGVO mit ePrivacy im Gepäck), dreht sich so schnell wie nie zuvor, und wer am Markt auf Dauer bestehen will, braucht eine tragfähige digitale Strategie mit einem modernen, leistungsfähigen IT-Service Management.

Die unbedingte Notwendigkeit auf diese Verhältnisse entsprechend zu reagieren, hat den Weg geebnet für neue Vorgehens- und Organisationsmodelle. Agile Methoden angefangen bei Scrum mit diversen Skalierungsmodellen  (SAFe etc.) oder DevOps im Zusammenwirken von Entwicklern und IT-Betriebsverantwortlichen, sind als Antwort darauf entstanden. Eine ganze Reihe an Unternehmen hat in dieser Hinsicht bereits interne Erfolgsgeschichten, mit einer wachsenden Zahl an Nachahmern. Kritiker der neuen Methoden finden sich naturgemäß dort, wo ITIL® in seiner „alten Form“ noch erfolgreich genutzt wird und sequenzielle – oder anders gesagt: nicht-agile – Organisations- und Vorgehensmodelle dominieren. Es wird bezweifelt, dass ein so stark strukturiertes Framework wie ITIL®v3 mit seinen klar definierten Rollen, Prozessen und Verantwortlichkeiten überhaupt mit agilen Methoden, geteilten Verantwortungen und hoher Wert-, aber geringerer Prozessorientierung, überhaupt einhergehen kann.

Ob diese Zweifel gerechtfertigt sind und ITIL wirklich nur auf eine starre, stark sicherheitsorientierte und wenig anpassbare Struktur reduziert werden darf, schauen wir uns im zweiten Teil der Serie an.

Kontakt

Philipp Karner

T. +49 89 122219642
philipp.karner@ventum.de

Philipp Schneidenbach

T. +49 89 122219642
philipp.schneidenbach@ventum.de

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