Das Ende der Personas

User Experience erfordert einen pragmatischen Ansatz bei der Persona-Erstellung. Erfahren Sie hier, worauf Sie bei der Erstellung von Personas achten sollten.

Wohin mit den Personas: Pragmatischer Umgang mit Personas anstelle von umfangreich gestalteten Lebensläufen für das Archiv

Usability Testing: Frühzeitige Validierung des Systems mit dem Anwender

Viele aufwändig erstellte Personas geraten in Vergessenheit.

Sie heißen Paul Planer, Ferdinand Familienvater oder Sabine Single. Sie sind Personas. Mit der Einführung des User Centered Design werden Personas als fiktive Nutzer eines neuen Produktes in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt. Doch bereits kurz nachdem sie zum Leben erweckt wurden, geraten sie in Vergessenheit.

Wir erstellen eine Persona und sind jetzt nutzerzentriert.

Durch die digitale Transformation schieben wir mehr und mehr Aufgaben in einen virtuellen Raum. Die Wertschöpfung findet am Rechner statt und spezialisierte Softwareprodukte erleichtern uns dabei die Arbeit. Richtigerweise hat sich daher in der Softwareentwicklung die Erkenntnis durchgesetzt, dass Software für den Anwender entwickelt werden muss und nicht andersherum. Funktionale Richtigkeit des Systems hilft uns vor dem Endgerät nicht, wenn wir es nicht schaffen, unsere Anwendungsfälle richtig abzubilden. Hierfür haben User Experience Designer unter anderem die Persona erfunden.

Was ist eigentlich eine Persona?

„Viele Informationen liebevoll gestalteter Personas werden im Projekt nicht mehr verwendet.“

Mit der Persona möchten UX Designer den möglichen Systemnutzern ein Gesicht geben. Durch die Beschreibung fiktiver Personen sollen mögliche Anwendungsszenarien leichter ableitbar werden. Daher wird beschrieben, welche Vorlieben und Eigenschaften einzelne Anwendergruppen verbindet. In der Praxis werden dann oft aufwändige Personas erzeugt. Neben Namen, Vorlieben und Herausforderungen werden oftmals ganze fiktive Lebensläufe erstellt, um Software Designern zu vermitteln welcher Charakter vor dem Bildschirm agiert. Dabei basieren sie in der Realität oft nur auf den Beschreibungen bereits zuvor existenter Prozessrollen, die um die weiteren Informationen aufgebläht werden.

Nach der Persona ist vor der Persona.

Schon kurz nachdem die Persona zum Leben erweckt wurde, droht ihr auch wieder ein kaltes Ende. Sie wird in ein Archiv abgelegt und gerät mit all ihren fein säuberlich erdachten Ecken und Kanten langsam wieder in Vergessenheit. Die meisten ihrer Vorlieben und Charaktereigenschaften finden bei Beschreibungen von Anforderungen an das System, Use Cases und User Journeys keine Beachtung mehr. Ein Abgleich findet zwar noch statt, dabei werden aber nur die wesentlichsten Merkmale betrachtet. Die Vorliebe für Tennis, die Mitgliedschaft im örtlichen Debattierclub und die Haarfarbe spielen keine Rolle mehr.

Wer sind Mister X und Frau Y?

Sind Ihre Personas gut formuliert? Eine Checkliste.

Heißt die Nicht-Berücksichtigung der Persona nun, dass das Konzept der Persona gescheitert ist? Werden unsere Anwender wieder gänzlich anonym? Sicherlich nicht. Allerdings setzen wir uns für einen nutzenorientierten Ansatz auch bei der Persona-Erstellung ein, um folgende Fehler zu vermeiden:

  1. Formulierung unnützer Details:
    Konzentrieren wir uns lieber auf das, was in unserem Systemkontext relevante Informationen über den Anwender sind: Wo, wann und wie verwendet der Anwender das System? Vor welchen Herausforderungen steht er gerade?
  2. Personas werden isoliert entwickelt:
    Bekannte Rollen aus bestehenden Prozessen und Systemen können eine valide Absprungbasis für die Identifikation unserer Benutzergruppen sein. Das sollte uns aber nicht daran hindern, mit den echten Anwendern regelmäßig zu sprechen.
  3. Ablage der Persona im Archiv:
    Manche Dinge gehören einfach nicht nur im Wiki abgelegt, sondern in den Alltag integriert. Es muss im Kopf der Teammitglieder verankert werden, die Persona als stetigen Ansporn für User Experience zu verstehen und deren reale Vertreter regelmäßig in Reviews und Prototypingsessions besser kennenzulernen.

Die Persona ist nicht am Ende. Sie ist integraler Bestandteil nutzerzentrierten Softwaredesigns.

Für Personas gilt: Fokus auf das wirklich Relevante. Wir müssen verstehen, wer unser Anwender ist und wie wir die Software gestalten müssen. Konzentrieren wir uns auf die wichtigsten Gründe für Personas: die Bedürfnisse der Anwendergruppe, ihre Probleme und insbesondere ihren individuellen Anwendungskontext. Die verschiedenen Anwendergruppen sollen sich schließlich möglichst einfach im System zurechtfinden. Wir müssen schon im Software Design versuchen, jede Anleitung überflüssig zu machen. Allerdings spielt bei dieser Customer Segmentation ein erweiterter Lebenslauf keine Rolle mehr. Statt uns die schönsten CVs auszudenken, können wir lieber mehr Zeit in die Erzeugung von Prototypen stecken und diese mit den Anwendern durchsprechen. Dann sollten wir die Ergebnisse möglichst in dem eigentlichen Nutzungskontext erproben. Ganz direkt. Denn unsere Persona ist der echte Anwender.

Benutzerzentriertes Softwaredesign

Ihr Projekt steht in den Startlöchern? Sprechen Sie uns an.

Sie stehen am Beginn eines Softwareentwicklungsprojektes oder möchten eine bestehende Software in eine moderne Architektur überführen? Ventum Consulting unterstützt Sie bei der Aufnahme der Systemanforderungen und dem System Design. Gerne evaluieren wir Ihren Beratungsbedarf im einem gemeinsamen Gespräch.

Sebastian Leblanc

T. +49 176 133 133 44
Sebastian.Leblanc@ventum.de

Matthias Müller

T. +0176 133 133 75
matthias.g.mueller@ventum.de

Zum Weiterlesen

Das könnte Sie auch noch interessieren.