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Balint Tolnay-Knefely ist Partner bei Ventum Consulting und äußert sich zu S/4HANA.

 


 

Was ist - kurz zusammengefasst - der Vorteil von S/4HANA gegenüber der Vorversion?

Balint Tolnay-Knefely: Der große Mehrwert von S/4HANA ist, dass eine komplett neue Anwendung von Grund auf entwickelt wurde, die auf die Möglichkeiten und Performance der HANA Plattform abgestimmt ist und somit erstmals ein einheitliches System aus Datenbank-Plattform und Anwendungen bietet.

Die SAP-FIORI-Nutzeroberfläche bietet sehr anwenderorientierte Lösungen – und das auch mobil. Zudem wächst die Performance von Reports aufgrund der neuen Datenstruktur und der In-memory-Datenbank. Was wiederum bei den Usern für größere Akzeptanz sorgt. Nach unseren aktuellen Erfahrungen sind die Endanwender durchaus zufrieden.

 

Wie sehen Sie die Entwicklungen von S/4HANA?

Balint Tolnay-Knefely: Die Entwicklung von S/4HANA (von SAP "The Digital Core" genannt) verläuft parallel, das bedeutet, dass on premise und cloud-Lösungen nebeneinander gecodet werden. Funktionalitäten in der on premise-Lösung sind damit eng gekoppelt an Funktionalitäten der Cloud-Lösung für S/4HANA.

Das Ziel von SAP ist es, dass die Unternehmen den Kern von SAP S/4HANA möglichst stabil halten und Erweiterungen oder Anpassungen eher auf der SAP HANA Cloud Plattform entwickeln.

 

Welche Innovations-Dimension hat S/4HANA?

Balint Tolnay-Knefely: Die SAP vergleicht die Dimension der Neuerung mit der Einführung von R/2 oder dem Wechsel von R/2 auf R/3. Der Umstieg auf S/4HANA wird ähnlich große Änderungen in den Unternehmen mit sich bringen. SAP nennt hier gerne den Vergleich, dass "sooft Deutschland Fußballweltmeister wird, kommt es zu einem neuen großen SAP Release". Dieser Vergleich gefällt mir sehr gut, weil es verdeutlicht, dass dieser Technologiesprung den Großteil der Prozesse wie wir sie heute kennen betrifft.

 

Welches Umstiegsszenario würden Sie ihren Kunden empfehlen?

Balint Tolnay-Knefely: Das hängt vom konkreten Fall ab, eine pauschale Aussage ist hierzu schwierig.

Für mich liegt ein neues S/4HANA Template nahe, das sukzessive Funktionalitäten aus der alten Systemlandschaft im neuen S/4HANA Template abbildet. Die diversen Migrationsszenarien gestalten sich aufwändiger, SAP hat aber auch hierzu professionelle Tools und Hilfe, auf die jeder zurückgreifen kann.

Und das positive Beispiel von AIRBUS OPTRONICS zeigt auch, wie schnell eine Umstellung auf S/4HANA möglich ist. Die fünf Monate sind allerdings ein Wert, mit dem nicht jedes Unternehmen planen sollte. Die Absprung-Basis für OPTRONICS war ein SAP ECC auf einem sehr neuen Releasestand mit einem aktiven NewGL.

 

Was empfehlen Sie den Unternehmen, wenn sie sich mit S/4HANA auseinandersetzen wollen?

Balint Tolnay-Knefely: Grundsätzlich empfehle ich Unternehmen diese S/4HANA Umstellung aktiv anzugehen. Einerseits sind die Consultants knapp, die diese Umstellungen qualitativ hochwertig begleiten können, da die Technologie neu ist und viele Kunden das Thema angehen.

Zudem arbeiten aktuell viele Unternehmen an einer S/4HANA Roadmap und ersten Proof of Concept Projekten. Diese lohnen sich meiner Ansicht nach in enger Zusammenarbeit zwischen den IT und den Accounting- und Controlling-Fachbereichen, um im PoC für alle Seiten verwertbare Resultate zu generieren.

Wir bieten als ersten Schritt einen intensiven Eintagesworkshop an, in dem S/4HANA vorgestellt wird, konkrete Erfahrungen ausgetauscht werden und ein erster Ausblick gegeben wird, wie Folgeaktivitäten aussehen können. Den Workshop halten wir zusammen mit SAP. Damit ist sichergestellt, dass unsere Kunden mit den neuesten Entwicklungen des Herstellers und mit sehr kompetenten Beratern sprechen.

 

Können denn Unternehmen mithilfe von S/4HANA Funktionalitäten, für die sie aktuell kundenindividuelles Coding einsetzen, in den Standard zurückbauen?

Balint Tolnay-Knefely: Ich gehe davon aus, dass dies zum Beispiel beim Asset Accounting absolut funktioniert. Aus einigen Proof of Concepts in diesem Bereich haben wir die Erfahrung gemacht, dass bis zu 100% des custom codes mit S/4HANA nicht mehr notwendig ist. Wie dargestellt, ist es eine mächtige, neue Funktionalität die vielen Dinge sinnvoll weitergedacht abgebildet hat.

 

Innerhalb von S/4HANA gibt es die Funktionalität Central Finance als separate Lösung, die SAP aktuell vertreibt, was ist ihre Meinung dazu?

Balint Tolnay-Knefely: Genau zum Thema S/4HANA Central Finance hatten wir erst neulich eine eigene Veranstaltung mit Vertretern von BMW, Airbus und Siemens bei Ventum. Natürlich waren auch SAP-Vertreter bei uns und wir haben uns intensiv mit dem Thema SAP S/4HANA Central Finance auseinandergesetzt. Die Lösung bietet gerade für Kunden, die eine dezentrale Systemlandschaft haben eine gute Absprungbasis um diverse Prozesse zu vereinheitlichen Funktionalitäten schrittweise in ihr Central Finance zu übernehmen.

Es gibt hier viel Bewegung in den Konzernen in diese Richtung. Auch hierzu werden Proof of Concept Projekte durchgeführt, oft in Verbindung mit den übergreifenden S/4HANA-Themen.

Wir haben in Form von 30-minütigen Impulsvorträgen die aktuellsten Erkenntnisse der Industrieunternehmen erfahren und diese gekoppelt mit den SAP-Entwicklungen im S/4-Umfeld. Im Anschluss haben wir in einer Podiumsdiskussion erörtert, wie Umstellungsszenarien auf S/4HANA Central Finance aussehen könnten, welche Gedanken bereits kursieren und was SAP darauf für Antworten bereithält.
Aktuell arbeiten wir an einem Untersuchungsauftrag für ein Automotive OEM um die Einsatzmöglichkeiten von Central Finance zu beleuchten.

 


 

Dieses Interview wurde in Auszügen im Magazin it management in einem Artikel über typische Einführungsszenarien der Datenbanktechnologie HANA und das ERP S/4HANA sowie die Herausforderungen dabei veröffentlicht.

Den vollständigen Artikel erhalten Sie hier zum kostenlosen Download.

SAP S/4HANA Szenarien zur Einführung

(Auszug aus it management Ausgabe 9-2016, Seite 22–25, www.it-daily.net)

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